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"Bei einfacher und klarer Rechtslage braucht man keinen Anwalt" - so meinen viele nach einem Blechschaden.

Weit gefehlt!

Die Regulierung von Verkehrsunfällen ist mittlerweile auch in scheinbar einfach gelagerten Fällen so kompliziert geworden, daß man damit ganz schnell überfordert ist. Auch hier gilt: Gewußt wie und gewußt wo!

Bei den Gerichten gilt als ausgemacht, daß die Kosten für einen Anwalt ein Teil des Gesamtschadens sind, der durch einen Unfall entstehen kann. Dazu zählen nicht nur die Kosten für die eigentliche Reparatur oder die Ersatzbeschaffung, sondern auch die Gebühren für einen KFZ-Sachverständigen oder eben auch den Anwalt, den man nach einem Unfall einschalten darf, um vom Gegner nicht benachteiligt zu werden. Dessen Kosten muß die gegnerische Versicherung tragen.

Denn "Gegner" nach einem Verkehrsunfall ist ja -von ganz harmlosen, praktisch folgenlosen Fahrzeugberührungen abgesehen- fast nie die Person, die im anderen Fahrzeug gesessen hat.

Mit der könnte man sich "unter vernünftigen Menschen" ja noch einigermaßen einigen. Gegner ist regelmäßig eine Versicherung - mit all ihren Spezialisten, die den ganzen Tag nichts anderes machen als Verkehrsunfälle regulieren. Und die dafür bezahlt werden, daß sie mit geschulter Sachkunde dafür sorgen, daß die Entschädigungszahlungen der Versicherung an Sie möglichst klein ausfallen. Wollen Sie's mit solchen Leuten aufnehmen?



Charlie M. hängt sehr an seinem alten Kadett. Gepflegt und gehegt über die Jahrzehnte ist er ein Teil von ihm selbst geworden. Schon seine Studentenjahre hat er mit dem Gefährt verbracht, und viele bunte Erinnerungen an Urlaubsreisen und die ersten Freundinnen verbinden sich mit dem 15 Jahre alten Töfftöff. Er wird in einen Unfall verwickelt. Harmloser Auffahrunfall, kein Personenschaden. Aber den Rahmen des Autos hat es doch erwischt. Ein Sachverständiger wird eingeschaltet. Der nimmt die Schäden gar nicht mehr richtig auf, weil ein klarer Fall von Totalschaden vorliegt. Was - Totalschaden? Das Fahrzeug läuft doch noch einwandfrei, sogar nach dem Unfall. Nur das Heck ist ein wenig eingedrückt, und ein Blinkerglas ist zerbrochen. Die Reparaturkosten errechnet der Sachverständige mit weit über 10 000,-. Den Wiederbeschaffungswert setzt er auf DM 1000,- fest. 15 Jahre altes Auto, 170 000 Kilometer Laufleistung - eines von den Autos, dessen "Verkaufswert man mit einer einzigen Tankfüllung glatt verdoppeln kann". Die Versicherung weigert sich, zehntausend Mark für die Reparatur zu bezahlen, und möchte lediglich den Wiederbeschaffungswert erstatten, und auch den noch gemindert um den sogenannten Restwert. Herr M erhält also ein paar läppische Hundert Mark, mit denen er sich nie und nimmer so ein gepflegtes Fahrzeug zulegen kann - und ganz sicher keines mit dieser gewissermaßen biografischen Aura, die das Auto - zumindest für Herrn M- verbreitet. Muß er sich das gefallen lassen - oder kann er die vollen Reparaturkosten verlangen, oder wenigstens ein fahrbereites Auto, das technisch noch so gut ist wie sein altes?




Frau F. war nur Beifahrerin. Sei hat gleich gewußt, daß sie die Einladung zu einem Abendessen bei Freunden lieber ausschlagen sollte. Aber dann ist sie eben doch mitgefahren; ihrem Mann zuliebe und in Begleitung einer Bekannten. Es war ja auch nicht weit zu fahren. Ein Lastwagenfahrer war - vermutlich- eingeschlafen und hatte den PKW auf der Heimfahrt der drei mitten in der Großstadt gerammt. Das Auto von Frau F, das an einer roten Ampel gewartet hatte, wurde durch die Wucht des Aufpralls über die halbe Kreuzung geschleudert. Frau F. hat eine schwere Distorsion der Halswirbelsäule erlitten und leidet nun schon seit eineinhalb Jahren unter ständigen Schmerzen beim Sitzen, beim Gehen, in fast jeder Stellung. Besonders, wenn sich das Wetter ändert. Dann helfen sogar die starken Schmerzmittel nicht mehr, die sie - eigentlich entschiedene Gegnerin von Tabletten und ständiger Medikation- immerfort einnehmen muß. Die Versicherung des Lastwagenfahrers hat 4ooo,- Mark an Schmerzensgeld ausbezahlt und weigert sich, mehr dafür auszugeben. In erster Linie deshalb, weil Frau F.- so jedenfalls die Versicherung- einen erheblichen "Vorschaden" gehabt haben soll. Ihre Halswirbelsäule sei in ihrer Beweglichkeit stark eingeschränkt gewesen, ein Computertomogramm habe auch klare Befunde für eine degenerative Vorschädigung ergeben. Kein Wunder, Frau F. ist schliesslich kein junges Mädchen mehr, sondern feiert bald Silberhochzeit. Vor dem Unfall hat Frau F. nie etwas gespürt. Nicht am Hals, nicht im Kreuz. Nur einmal kurz nach Weihnachten, weil sie da den schweren Christbaumständer auf den Balkon gewuchtet hat. Da hat sie sich das Kreuz "verrissen", aber auch das war nach sechs Wochen wieder vorbei. Hat doch jeder mal. Und da soll sie "degenerative Vorschäden" haben? Und deshalb nur noch einen Bruchteil des Schmerzensgeldes erhalten, den bei sonst gleichen Verletzungen eine 20 Jahre jüngere Frau problemlos erhalten hätte? Wird man fürs Alter eigentlich bestraft? Geht der Schmerzensgeldanspruch in höherem Alter eigentlich gegen Null, weil z.B. ein 85-jähriger bei statistischer Betrachtungs weise ohnehin schon "überfällig" ist und kein Schmerzensgeld mehr braucht? So denkt Frau F. und wundert sich. Muß sich Frau F. die kaltschnäuzige Ablehnung durch die Versicherung gefallen lassen?




Aus diesen Gründen eine einfache Regel:

Verkehrsunfälle und deren Regulierung gehören zum Anwalt!

Sie sparen sich die mühsame Korrespondenz mit der gegnerischen Versicherung und haben die Gewähr, daß Ihr Anwalt auch dann noch weiter weiß, wenn diese Versicherung aus vielerlei Gründen nicht bezahlen will. Und das geschieht häufig.

Zur Ehrenrettung der Versicherungen sei gesagt: Das Schummeln und Mogeln, das Übertreiben von Schäden und „Mitreparieren-Lassen" von alten Schäden, kurz: der Versicherungsbetrug in allen seinen mehr oder minder massiven Ausformungen ist -leider- zum Volkssport geworden. Insofern handeln die Versicherungen durchaus im Interesse aller, wenn sie einen Anspruch genau prüfen, bevor Sie einen Scheck ausstellen. Würden die Sachbearbeiter in den Schadensabteilungen immer sofort und ohne nähere Prüfung auszahlen, was ein Geschädigter verlangt, so wäre dieser eine Geschädigte zwar hochzufrieden – die Prämien für die einzelnen Versicherungsarten würden sich aber verdoppeln und verdreifachen, weil es aller Erfahrung nach zu viele gibt, die sich auf Kosten der Allgemeinheit sanieren wollten.

Insofern kann es den Versicherungen nicht wirklich verübelt werden, wenn sie genau prüfen und fünfmal nachfragen, bevor es Geld gibt.

Andererseits: Mit den vollmundigen Versprechungen, mit denen die Versicherungen in der Presse werben, ist es im Schadenfall meist ganz abrupt vorbei. Und kein Mauseloch in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen ist zu klein, als daß die Versicherung nicht noch versuchen würde, hindurch und aus der Haftung heraus zu schlüpfen. Da wird nicht selten um der Prüfung willen geprüft und geprüft und geprüft – und der Anspruch am Schluß zurückgewiesen, weil die Juristen in der Versicherung kalt durchrechnen, daß es zwar alles sehr glaubwürdig klingt und wahrscheinlich stimmt, was ein Geschädigter da zur Begründung seines Anspruches vorträgt, er dies aber vor Gericht aller Voraussicht nach nicht wird beweisen können. Die Versicherungen kennen sich gut aus mit den sogenannten „Beweislastregeln" im deutschen Zivilprozeß. Und die lauten, salopp formuliert: Vor Gericht kriegt man gar nichts, wenn man den einen oder anderen anspruchsbegründenen Umstand nicht beweisen kann, und wenn es zehnmal so war. Das kann bisweilen eine schmerzhafte Bauchlandung bedeuten, wenn man Recht hat und es nicht durchsetzen kann. Es empfiehlt sich, so ein nicht ganz ernst gemeinter Rat des Verfassers, in möglichst allen Lebenslagen, ganz besonders aber im Straßenverkehr, einen pensionierten Staatsanwalt im Kofferraum mitzuführen, der dann bei Bedarf als neutraler Zeuge aufgestellt werden und vor Gericht sachdienliche Angaben machen kann...